Die Nachkriegsjahre und die Wiedererstarkung der europäischen und japanischen Produktion:
Die Konkurrenzverhältnisse für amerikanische Stahlproduzenten, welche kurz nach dem Krieg eine sehr dominierende Rolle in Europa einnahmen, wurden schon im Verlauf der späteren fünfziger Jahre immer schwieriger. Japanische und europäische Produzenten, deren Anlagen im Krieg zerstört wurden, kamen nun mit dem Ausstoss aus den damals modernsten Produktionseinrichtungen (vor allem mit Blechen und nahtlosen Rohren) auf den Markt. Unsere Firma sah sich mit Republic Steel vermehrt den erstarkenden europäischen Konkurrenten gegenüber im Nachteil, besonders bezüglich der amerikanischen Preisvorstellungen und auch der sehr langen Lieferfristen.
Auch mit Hilfe von Marshallplan-Geldern wurde in Europa eine neue Stahlindustrie aufgebaut. Republic Steel fand bei den FIAT-.Stahlwerken in Turin einen Lizenznehmer für den europäischen Markt. Unsere Geschäftstätigkeit im Blechbereich verlagerte sich deshalb ab Anfang der sechziger Jahre vermehrt nach Italien. Man musste sich auf die veränderte Geschäftspraktiken und den Verkehr mit anderen Mentalitäten umgewöhnen. Ein Zusammenarbeitsvertrag für den Schweizer Markt konnte mit dem privaten Handelshaus, welches die FIAT-Stahl-Produkte vertrieb, abgeschlossen werden.
Im Bereich Stabstahl etablierten sich in Kontinental-Europa verschiedenste neue oder wiederauferstandene Bezugsquellen, das ursprünglich wichtige Englandgeschäft verlor zunehmend an Bedeutung.
Nebst Europa wurde auch Japan unser neuer und bedeutender Handelspartner für verschiedenste Produkte.
Japan verstand es von allem Anfang an, qualitativ ausgezeichnete Produkte auf den Markt zu bringen. Die Werke erhielten rasch die für den europäischen Markt so wichtige TueV-Abnahme und waren damit auch in abnahmetechnischer Hinsicht den Erzeugnissen Europas ebenbürtig.
Die Produktionskapazitäten erlebten in diesen Jahren einen sehr starken Ausbau, die Nachfrage nach Rostfrei-Produkten stieg dementsprechend stark an. Bedingt durch die grössere Konkurrenz auf dem Markt kamen auch die Preise vermehrt unter Druck. Nichtrostender Stahl wurde deutlich günstiger.
Nebst den traditionellen Anwendungsgebieten Haushalt und Chemie, sowie Chemie-Apparatebau eroberte der nichtrostende Stahl gleichzeitig verschiedenste neue Märkte und Anwendungen. Der vorher dominierende Werkstoff Aluminium wurde dadurch im Bereich Küche / Nahrungsmittel-Industrie – teils auch bedingt durch neue Hygienevorschriften – teilweise zurückgedrängt.
Ein wesentlicher Schritt zum erweiterten Einsatz von nichtrostendem Stahl war auch die Aufnahme der Produktion von geschweissten Stahlrohren. Diese Aera begann im grösseren Rahmen Ende der fünfziger / anfangs der sechziger Jahren. Pioniere in den USA waren Trent-Tube (ab 1975), verschiedene schwedische Werke und Rovelli in Italien. Ein Teil dieser damaligen Pioniere haben die Jahrhundertwende nicht überlebt oder sind in andere Werksgruppen integriert worden.
Die bisher fast ausschliesslich verwendeten und sehr teuren nahtlosen Rohre kamen unter preislichen Druck, dem sie in keiner Weise folgen konnten. Rosfreie geschweisste Rohre wurden für viele neue Anwendungen interessant.
Es sollte aber noch etliche Jahre dauern, bis sich die verschiedenen Vorurteile gegenüber den geschweissten Rohren auch für die Verwendung im anspruchsvolleren Leitungsrohr-Bereichen abbauten.
Die damalige Ciba AG (später Ciba-Geigy, jetzt Novartis) hatte als erstes der Chemie-Unternehmen den Mut, auf geschweisste Rohre umzustellen, andere verwendeten noch bis weit in die siebziger Jahre ausschliesslich die nahtlose Ausführung.
In diese Aera fällt die Schaffung der 'Basler Norm', worin die Schweizerische Chemie ihre Ansprüche an die nichtrostenden Stahlprodukte, speziell auch die geschweissten Rohre, formulierte. In der weiteren Entwicklung der Qualitätsansprüche gegenüber den Produzenten spielte die Basler Norm für den gesamten schweizerischen Bedarf eine bedeutende Rolle. Wer die Anforderungen nicht erfüllen konnte, wurde als Lieferant nicht akzeptiert.
Über den Bau unserer ersten eigenen Lagerhalle in Birsfelden, die 'Nickelkrise' Ende der Sechziger Jahre und den Beginn der bewegten Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts informieren wir Sie in unserem März-Marktbericht.
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